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Michael Kohlhaas, B

Ein Sammelsurium von Einfällen, aber keine dramatische Struktur – so ließe sich diese inszenierung beschreiben, die mit technikverstärkter Deklamation das Schicksal des Pferdehändlers Michael Kohlhaas beschreibt, der um sein Recht und Wiedergutmachung kämpft, obwohl er eigentlich hätte wissen müssen, dass Recht und Gerechtigkeit im Sinn der absoluten Vorherrschaft des Adels und der abhängigen Justiz verhandelt werden. Die Geschichte kommt glühend und donnernd über die Bühne, wird mit allerlei Aus-und Anziehvariationen ausgeschmückt, aber wirkt im Ganzen eher, als ob hier zu viele Akteure ihre Vorstellungen eingebracht hätten, und man sich dann irgendwie auf einen mehr schlichten Darstellungsmodus geeinigt hätte. Aber Kleist ist, gerade weil sein Text so authentisch vorherrscht – immer eine Reflexion wert. Ideologische Verbissenheit und der Kampf um Gerechtigkeit sind Diskussionsstoff allemal.

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Die Laborantin, OL

Dieses Stück ist so aktuell, dass es beinahe schon Realität ist, s.FAZ Juli 2021: Da stellt der Autor Thomas Ludwig die Frage, ob “ein Sozialsystem nach chinesischem Vorbild auch in Deutschland denkbar sei?” Er bezieht sich dabei auf eine Studie des Bundesbildungsminsteriums, in der die Forscher das chinesische Modell als mögliche Zukunftsperspektive für Arbeit und Gesellschaft auch für Deutschland untersuchen: dabei geht es um ein Bonus-Modell, von dem der Zugang zu Ressourcen wie Arbeits-oder Studienplätzen abhängig sein wird.
Im Schauspiel geht es “nur” um rating, und es ist noch viel schlimmer, weil es bereits im fötalen Zustand die möglichen genetischen Qualifikationen offenlegt und nach einem Bewertungssystem den Menschen in seinen Zukunftchancen festlegt.

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Die Italienerin in Algier, HB

In ihren burlesken Harlekinkostümen tragen Sänger, Musiker, Chor, Bühne und kluge Regie zu diesem vergnüglichen Schau- Hör- und Singspiel bei und garantieren viel Spaß zur späten Stunde. Verrückt, turbulent und hochgradig musikalisch ausgefeilt sind diese atemlosen, unglaublichen Tempi, die man mit spontanem Beifall begleiten möchte. Musik pur, Liebe geballt, irre Lautmalereien, bei denen sogar von Da-Da-ismus die Rede war, leicht wie Champagner uind nachhaltig wie guter Champagner. Natürlich sollte man eben knapp wissen, dass es um Männer-Macho-Gehabe gegenüber Frauen und weibliche List und Übertrumpfung contra Mann geht, und wer letztlich Siegerin und Besiegter ist, wird nach der neuen deutchen Sprachregleung hiermit auch kundgetan.

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wagner – der ring des nibelungen, B

Worum geht es in dieser Zertrümmerung des nordischen Mythos “Die Nibelungen”, aus dem Richard Wagner mit seiner “Ring” -Tetralogie eine unglaubliche Botschaft schöpft? Es geht um Wahn und Wahnsinn, es geht um Schuld und Schulden, es geht um Marx und Adorno, und es geht um vor allem um die Entlarvung und Entblößung gesellschaftlicher Strukturen in der Menschheitsgschichte, vor allem in der deutschen Kunst und Politik. Um dem Chaos des zeitlosen Wahnsinns eine zeitgemäße Strukltur zu geben, turnen und tanzen die Darsteller als Insassen einer Irrenanntalt in einem vergitterten Raum über riesige Tische und Stühle, über Spüle und Küchenherd und quellen dampfend aus der Herdtür ins Geschehen; grelle Fratzen und blutverschmierte Kostüme verstehen sich heutzutage von selbst, denn der Wahnsinn ist natürlich nicht freundlich und schön, sondern grausam verzerrt und abstrus; leider phonetisch auch oft unverständlich, bis auf die atonalen, zwischen Jazz, freien zeitgenössischen Klangvariationen und entfernen Anleihen an Wagners Komposition, die die oft dröhnend eingespielten musikalischen Bewußtseinserweiterterungen von einem Orchester mit zwölf Musikern, sogar von Barenboim dirigiert, begleiten lassen.

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Mephisto, B

nach dem Roman von Klaus Mann in einer Fassung von Till und Chris Weinheimer am Berliner Ensemble, 2021 Produktion Kooperation miz der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Regie:Till Weinheimer, Bühne und Kostüme Sibylle Gädeke, Musik Chris Weinheimer, Dramaturgie Karolin Trachte, Licht Steffen Heinke; mit Dominik Hartz als Hendrik Höfken; Lennart Preining als Otto Ulrichs, Hans Miklas, Conferencier, Hermann Göring; Jakob Schmidt als Theophil Marder; Wassilissa List als Lotte Lindenthal, Johanna Asch als Juilette und Barbara Bruckner  Vergifteter Kranz für den

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Istanbul, HB

Ein Sezen Aksu-Liederabend von Selen Kara, Torsten Kindermann und Akm E.Sipal Theater am Goetheplatz, Bremen, 2021 (In den Wallanlagen) Bühne: Thomas Rupert, Kostüme: EmirMedic, Dramaturgie: Viktorie Knotková Mit: Mutat Babaoglu, Martin Baum, Gabriele Möller-Lukasz, Susanne Schrader; Band: Torsten Kindermann, Andy Einhorn, Ali Kema Örnek, Peter Imig, Peter Fasching Ein musikalischer Bilderbogen der Liebe Ein Maiabend wie im Bilderbuch, zwar etwas kühl, auch ist die Sicht für einige der Besucher durch Buschwerk etwas verschwommen, sozusagen blinzelt man dann durchs Dickicht, aber

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