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Die spanische Stunde, OL

Wenn die Stunde schlägt, und der Meister das Haus verläßt, um die Rathausuhr zu richten, dann schlägt die Stunde für Concepcion, die Gattin des Uhrmachers, die auf ihren Galan wartet. Doch diesmal hat das Schicksal ihr einen Strich durch die amouröse Rechnung gezogen: kurz bevor der Meister seinen stattlichen Uhrenpark und sein nicht minder attraktives Weib verläßt, kommt noch ein Überraschungkunde, ein Maultiertreiber, stattlich und gemächlich daher und möchte seine Uhr, ein Erbstück, repariert haben. Don Gomez vertröstet ihn bis zu seiner Rückkehr und heißt ihn in der Gesellschaft seiner Frau auf ihn zu warten. Ramiro ist’s recht und heimelig unter den lustig tickenden schönen Uhren und der noch schöneren Frau des Hauses. Um den Maultiertreiber los zu werden, schmeichelt Concepcion seiner Kraft und überredet ihn, eine der beiden Standuhren in ihr ZImmer ins obere Stockwerk zu bringen. Ob er das schwere Ding tragen kann? Natürlich, ein Leichtes für den Kraftprotz, so tönt es über alle Ränge bis an die Schlosskuppel des Theaters. Und kaum ist der Bursche samt Uhrungetüm zur Tür hinaus, trifft Liebhaber Nr. 1 ein, ein lieblicher Poeme dichtender Galan, doch soll er nicht reimen und schwermütig schmeicheln, sondern die kostbare Stunde nicht vertändeln, Conceptcion kennt alle seine zärtlich wundersamen Tiraden zur Genüge. Und wirklich schwindet die Zeit – tick tack steht der freundliche Maultiertreiber schon wieder vor ihr, Auftrag erfüllt. Doch weit gefehlt. Jetzt geht das Durcheinander erst richtig los, gemangt von einer selbstbewußten Jongleuse, die mit drei Männern so geschickt verfahren muß, dass stets nur einer sichtbar bleibt. Das ist ein grandioser musikalischer Spaß und ein köstliches dramaturgisches Spektakulum, von dem glänzenden Orchester spanisch feurig und kompositorisch variationsreich mit allen Facetten der Folklore und den großen Klangwelten Ravels mit Grandezza versponnen.

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Don Quijote, B

Erstaufführung der Fassung von Jakob Nolte nach Miguel de Cervantes in der Übersetzung von Susanne Lange Deutsches Theater Berlin, 2020 Koproduktion mit den Bregenzer Festspielen Regie: Jan Bosse, Dramaturgie: David Heiligers, Bühne Stéphane Laimé, Kostüme: Kathrin Plath, Musik: Arno Kraehahn, Licht: Robert Gauel mit: Wolfram Koch und Ulrich Matthes Rede vor Ziegenhirten… …sie werden nichts verstanden haben von den hochfliegenden, edlen Ansichten und Wortungetümen des Herrn, der da in der Entfernung so seltsam bunte Kleider um sich geschlungen hat und

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Berliner Porträtgalerie, B

Literarischer Salon mit Maria Hartmann und Udo Samel (5. Folge) Renaissance Theater, 2020 Vom Wunderknaben zum großen Schauspieler In der monatlichen Tradition des Literarischen Salons im Renaissance Theater stand an diesem Oktobersonntag der Schauspieler Curt Bois im Mittelpunkt der charmanten und lebhaften schauspielerischen Präsentation von Maria Hartmann und Udo Samel. Spannend und faszinierend holte Maria Hartmann den von vielen vielleicht vergessenen Komiker und Schauspieler – 1901 in Berlin geboren, im Milieu von Bühnenkünstlern und Journalisten aufgewachsen und geprägt, 1991 auf

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Fräulein Julie, B

Der vielleicht unbarmherzigste Krieg zwischen den Menschen ist der Klassenkampf, in dem Unter- und Überlegenheit brutal und unbarmherzig ausgetragen werden – in der enttäuschten Liebes- und Lebenserwartung zwischen Mann und Frau nimmt er nicht nur in der Literatur und auf der Bühne tragische Dimensionen an bis zur Zerstörung der sich ehemals Liebenden. Als Aufhänger für ein gesellschaftliches Drama war er nicht nur in puritanischen und feudalen Gesellschaften ein Spiegelbild ihrer Verhältnisse in der Vergangenheit, auch Ingmar Bergmann wußte im vorigen Jahrhundert “Szenen einer Ehe” dramatisch in den Abgrund zu führen – und in der Tiefe mancher Religionen offenbaren sich wie auch in harten existenziellen Verhältnissen die Ursachen des gewalttätigen Aufbegehrens gegen Ungleichheit in Bildung, Herkunft, Klassenzugehörigkeit und Standesbewußtsein.

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Gott, OL

von Ferdinand von Schirach Oldenburgisches Staatstheater, 2020 Regie: Peter Hailer, Bühne: Dirk Becker, Kostüme: Britta Leonhardt, Dramaturgie: Matthias Grön, Licht: Sofie Thyssen mit: Vorsitzende des Ethikrats: Nientje C. Schwabe, Richard Gärtner: Winfried Küppers, Brandt, Augenarzt: Thomas Birklein, Biegler, Rechtsanwältin: Anke Stedingk, Keller, Mitglied des Ethikrates : Tobias Schormann, Litten, Rechtssachverständige: Eva Spott, Sperling, medizinischer Sachverständiger: Klaas Schramm, Thiel, theologischer Sachverständiger: Matthias Kleinert Wem gehört unser Leben ? Mit überwältigendem leidenschaftlichen Engagement gestalten die Schauspieler des Oldenburger Ensembles dieses wieder einmal

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Don Pasquale, OL

von Gaetano Donizetti Dramma buffo in drei Akten  – Uraufführung am 3. Januar 1848 in Paris Libretto von Giovanni Ruffini und Gaetano Donizetti Staatstheater Oldenburg, 2020 Musikalische Leitung: Vito Cristofaro ; mit dem Oldenburgischen Staatstheater; Regie: Christoph von Bernuth, Bühne: Piero Vinciguerra, Kostüme: Mathilde Grebot, Dramaturgie: Stephanie Twiehaus, Licht: Regina Kirsch. mit Donato Di Stefano als charaktervoller, gleichwohl irrender und wirrender Don Pasquale; Martha Eason als selbstbewußte Verführerin und Betrügerin; Michael Porter als Ernesto, mit geschmeidigem Spieltenor, der in dieser

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